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Weite Räume meinen Füßen.

11.05.2026

Die meisten kennen das vermutlich: Da ist der weite Horizont des Meeres, vielleicht ein paar weiße Schiffe in der Ferne. Und mit Glück liegt ein leerer Strand vor den Füßen, in dem man, jedenfalls bis zur nächsten Welle, Spuren hinterlassen kann, welchen Weg man auch geht.

Auch vor den Jugendlichen, die an diesem Pfingstfest ihre Taufe oder Konfirmation feiern, liegt ein weiter Raum: Ihr Leben. Ein ganzes Stück sind sie zu bis zu diesem Zeitpunkt schon gegangen, durch die Kindheit hindurch wachsen sie jetzt in Jugend und Erwachsensein hinein. Aber wie wird das aussehen, wie sich anfühlen?

So viele Lebenswege und so viele Möglichkeiten! Manche Eltern und Großeltern der jetzigen Konfirmandinnen und Konfirmanden haben vielleicht noch erlebt, dass die Familie darüber entschieden hat, welcher Beruf zu ergreifen ist. Oder der Staat hat bestimmt, welcher Ausbildungsplatz gerade noch frei ist, wer zum Studium zugelassen wird und wer nicht. Und auch der Lebensradius war überschaubar. Die Jugendlichen heute leben in einer Zeit, in der die Auswahl der möglichen Lebenswege unendlich groß ist. Wie und wo will ich leben? Welchen Beruf ergreifen? Wird es den Beruf, von dem ich heute träume, in ein paar Jahren überhaupt noch geben? Wie wird die Welt sich verändern – und wie ich mich selbst? Große Fragen und turbulente Zeiten, in denen wir alle leben und in denen vor allem die Jugendlichen sich und ihren Weg finden sollen.

So stellt sich in all der Weite die Frage, woran ich mich orientieren kann. Am Meer ist das vielleicht der Stand der Sonne oder der Küstenverlauf. Schiffe orientieren sich an Bojen und Leuchttürmen für ihren Kurs, und natürlich längst auch mit Radar und Funk. In zwei Jahren Konfikurs haben wir versucht, innere Orientierungspunkte zu finden. Was gibt Halt? Worauf kann ich mich verlassen? Wofür lebe ich? Welche Regeln sind sinnvoll, um in Gemeinschaft gut klarzukommen? Fragen, die nach meiner Erfahrung übrigens nicht nur junge Menschen beschäftigen.

Die Jugendlichen haben sich bewusst entschieden. Sie werden an Pfingsten nicht nur ein Fest feiern, das den Übergang markiert zwischen Kindheit und Jugend. Natürlich: Sie werden vielleicht Geschenke bekommen und einen Tag lang im Mittelpunkt stehen. Aber vor allem wird ihnen Segen für ihren Lebensweg zugesprochen: „Gott segne und behüte dich. Gott sei dir Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten.“

Ganz sicher werden sie auch als von Gott Gesegnete erfahren, dass das Leben sie herausfordert. Dass man manchmal ganz schöne Umwege nimmt – aber schließlich doch ankommt. Dass man auch umkehren kann, wenn man merkt, dass man den falschen Weg eingeschlagen hat. Aber sie dürfen darauf vertrauen, dass sie nie allein gelassen sind. Auch das feiern wir an Pfingsten, mit der Taufe oder der Konfirmation. Dass Menschen an der Seite der Jugendlichen sind, die sie begleiten wollen – manche für kürzere, andere für längere Etappen. Und dass Gott bei ihnen ist und sie stärken will, ihren ganz eigenen Weg zu finden, ihre eigenen Spuren zu hinterlassen in dieser Welt. Die Konfis – und uns alle.

Von Ulrike Mosch. Sie ist Jugendpfarrerin der Region Brandenburg. Sie feiert zusammen mit Pfarrer Stefan Hartmann und 31 jungen Menschen am 23. und 24. Mai Konfirmation & Taufe in der St. Gotthardt Kirche in Brandenburg an der Havel, jeweils 10:30 Uhr. (Fast) jeden Freitag lädt sie zur Jungen Gemeinde im Gemeindehaus St. Katharinen ein. Wer darauf Lust hat, darf sie gerne anschreiben: mosch.ulrike@ekmb.de.