Matthias Passauer wurde am 9. Mai 1947 am Gotthardtkirchplatz geboren und wuchs dort gemeinsam mit seiner Schwester und seinen zwei Brüdern als Jüngster im Pfarrhaus auf. Mit 13 Jahren begann er mit dem Orgelunterricht in St. Gotthardt und später im Dom an der Wagnerorgel bei Kirchenmusikdirektor Wolfgang Fischer. Diese Orgel hat er über alles geliebt und gepflegt. Durch den Pfarrstellenwechsel des Vaters zog seine Familie nach Lehnin. 1965 begann er in Halle auf Anraten von seinem Lehrer Wolfgang Fischer Kirchenmusik zu studieren. Dort lernte er auch seine liebe Frau Hanna kennen.
Seine erste Stelle war in Zossen. Er war dankbar für die Möglichkeit, dort kirchenmusikalisches Leben aufbauen zu können. Auch für die Familie war es eine glückliche Zeit, die drei Kinder wurden in Zossen geboren. 1980 wurde Matthias Passauer gebeten die Kirchenmusikerstelle am Brandenburger Dom zu übernehmen.
Bis zu seiner Verabschiedung 2012, also 32 Jahre lang, gestaltete er den Dom zu einem wunderbaren Musikort. So viele erinnern sich nicht nur an die sonntäglichen Gottesdienste, die er mit seinem Glauben prägte, sondern auch an die Friedensgebet 1989, die Orgelkonzerte zu Karfreitag und das Wunschkonzert zu Silvester, an die Sommermusiken am Mittwoch, die immer erfolgreicher wurden und an Sonderkonzerte. Seine Arbeit war so erfolgreich, dass sie sich ohne Eintrittspreise trug.
Durch die schöne Chorarbeit mit dem kleinen Domer Singkreis, dem Kantatenkreis, Projektchören und der Bitterfelder Kantorei begeisterte er Menschen mit seiner Musik, ermunterte sie zum Singen und prägte sie. Er liebte die Begleitung und das Spielen im Bläserchor. Zu Orgelführungen und herausgehobenen Besuchen im Dom ließ er Pracht der Wagnerorgel erklingen.
Er liebte, pflegte und prägte den Brandenburger Dom. Als beispielsweise der Dom nach der Restaurierung 1999 wiedereröffnet werden sollte, sorgte er für ein Aufgebot von Sängerinnen und Sänger, die den Dom gründlich putzten und danach für eine Party im Friedgarten. Die Orgel reinigte er selbst.
Als Botschafter Brandenburgs spielte er auch viele Konzerte im Ausland, beispielsweise zur Wiedereinweihung an der Schwesterorgel in Trondheim (Norwegen).
Mit dem zweiten Teil seiner Stelle war er für die musikalische Ausbildung der Vikarinnen und Vikare im Predigerseminar zuständig. Dort lernten angehende Pfarrerinnen und Pfarrer das Singen, auch wenn sie sich das nicht zugetraut hätten. Sie wurden von ihm ins gottesdienstliche Orgelspiel eingewiesen und gestalteten mit ihm bespielsweise Taizé- und die alten Tageszeitengebete. So hat Matthias Passauer auch viele Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Kirche geprägt.
Den Ruhestand genoss er mit seiner Frau Hanna in der Kapellenstraße und auf Reisen, war aber weiterhin aktiv. Kirchenmusikdirektor Matthias Passauer hat mit seiner Musik gepredigt. Unglaublich viele Menschen verdanken ihm viel durch seine Arbeit und durch die Zusammenarbeit mit ihm. Wir sind traurig über den Abschied, aber wir wissen ihn jetzt geborgen und in Gottes Licht.
Die Trauerfeier wird am Montag, 8. September, um 11 Uhr im Brandenburger Dom stattfinden.