am Heiligen Abend sehr bedrückt, so dass ich mich noch nach 40 Jahren daran entsinne. Dabei war es damals ein mehr oder weniger selbst gewähltes Schicksal. Meine Freundin oder meine Eltern hätten gern mit mir Weihnachten gefeiert.
Heute gehört Einsamkeit zu den großen gesellschaftlichen Problemen, die es zu lösen gilt. Ärzte und Psychologinnen schlagen Alarm und warnen vor einem sich ausbreitenden Massenphänomen. Politische Förderprogramme wie die Kampagne des Bundesfamilienministeriums „Mach dich fit gegen Einsamkeit“ werden aufgelegt, um Einsamkeit zu mildern und Menschen zusammenzubringen. Ich frage mich, wie das möglich ist, wo räumliche Entfernungen immer irrelevanter werden und ständig neue technische Kommunikationshilfen entwickelt werden. Wie kann die Einsamkeit dann immer größer werden?
Ein Hauptproblem scheint mir der Zerfall der traditionellen Familie zu sein. Es kommt mir so vor, als hätte vor 50 oder 60 Jahren, als ich ein Kind war, jede und jeder gewusst, wo man zu Weihnachten hingehört. So gab es etwa in meiner Familie kriegsbedingt ledige oder verwitwete Tanten, die selbstverständlich mit uns Weihnachten feierten. Da war auch nicht immer „alles Gold, was glänzt“, es gab auch Spannungen, man war auch nicht immer mit dem Weihnachtsessen oder mit den Geschenken zufrieden, aber man war zusammen. Mag sein, dass ich im Älterwerden die Vergangenheit verkläre, aber dass die Einsamkeit in unserer Gesellschaft zunimmt, und dass diese gerade zu Weihnachten schmerzlich bewusst wird, das sagen alle. Da höre ich einen Freund höhnisch fragen: Und was schlägst Du vor?
Geht Weihnachten in die Kirche!
Pfarrer Bernhard Schmidt
Mein Vorschlag mag seltsam klingen und doch wird er aus dem Munde bzw. aus der Feder eines Pfarrers kaum überraschen: Geht Weihnachten in die Kirche. Dort werdet ihr nicht einsam sein, dort werden viele Menschen sein, dort werdet ihr Freunde und Bekannte treffen. Dort werdet ihr zusammen Weihnachtslieder singen, dort werdet ihr die Weihnachtsgeschichte hören und wieder daran erinnert werden, warum wir Weihnachten feiern. Ihr werdet hören, wie Maria und Joseph ihre Fremdheit und Einsamkeit in Bethlehem überwanden. Wie sie das Kind aus Gottes Hand empfangen haben, wie sie sich an dem Neugeborenen ergötzt haben und wie sie so ganz unterschiedliche Besucher an der Krippe begrüßt haben, einfache Hirten und vornehme Könige.
In den Kirchen meines Kirchenkreises Falkensee, der am 1.1.2026 im Evangelischen Kirchenkreis Havelland aufgeht, gibt es etwas Besonderes. Es gibt eine Kirche, deren Altarretabel ein Weihnachtsbild ziert. Es ist die Kirche in Falkenrehde. Hier kann man eine Kopie des Gemäldes „Die heilige Nacht“ des italienischen Renaissancemalers Correggio bestaunen. Das Original hängt in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Man sieht, wie Hirten und Engel zur Krippe drängen und wie von dem Kind ein Licht ausgeht, das alles erhellt. Dunkel wird hell. Licht breitet sich aus. Das himmlische Kind führt zusammen. Aus Einsamkeit wird Gemeinsamkeit. Das ist Weihnachten.
Von Pfarrer Bernhard Schmidt
Vorsitzender der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee
Das Bild ist in Dresden zu sehen und eine Ausstellung "Corregio. Berührend menschlich", in dem das Bild zu sehen ist, wird dort ab September 2026 zu sehen sein.