Es ist mehr als 16 Stunden stockdunkel draußen. Sanftes Sternenlicht läßt geheimnisvolle Schatten wandern und Kerzenlicht flackert herrlich ungleichmäßig.
Geheimnisse zu haben macht stark und froh. Warum? Ich gehe mal von den schönen liebevollen und gutgemeinten Geheimnissen aus. Denn böse und dunkle Geheimnisse - davon ist schon genug die Rede, wie sie vergiften und verletzen können. Tausende Ratgeber kommen dagegen nicht an.
Aber der Zauber eines schönen Geheimnisses, das freie Spiel mit dem liebevollen Verstecken, der zarte Duft des (noch) Unbekannten, das schafft den Raum der Vorfreude und weitet unseren Gedankenhorizont.
Meine Güte, wie einfach es eigentlich ist, sich selbst eine Freude zu machen.
Einfach? Ja einfach: ohne jede Scheu einfach schöne Geheimnisse anlegen, kleine unscheinbare Überraschungen. Dazu braucht es keine Zeit und kein Geld - nur den Mut, kurz auszusteigen aus dem gnadenlosen Schnellzug zum Ziel Weihnachten. Die meisten kommen erst am 24. völlig entnervt dort an - und wundern sich, dass die plötzliche Stille am Heiligen Abend wie eine Vollbremsung auf glatter Fahrbahn zu einem emotionalen Unfall führt, alle prallen auf alle und davor haben auch viele Angst, was es nicht gerade besser macht...
Meine Güte, wie einfach es eigentlich ist, sich selbst eine Freude zu machen.
Am besten ist, man fängt mit einem kleinen, völlig unbedeutenden
Geheimnis an. Der erste Schritt ist: 5 Minuten ohne alles und die lieben Menschen in Gedanken besuchen gehen. Nicht gleich zum Telefon greifen und damit sich und andere nerven, sondern erstmal "innerlich" besuchen gehen. Gibt es auch eine Bibelgeschichte dazu? Oh, nicht nur eine!
Der Advent beginn mit den Magiern aus dem Osten, die sich auf Forschungsreisen begeben. Einem ganz geheimen Unternehmen von Wissenschaftlern. Dann ist da meine Lieblingsgeschichte im Advent: zwei schwangere Frauen begegnen sich: Elisabeth im 6. Monat und Maria in den ersten Schwangerschaftswochen - die Kinder im Bauch erkennen sich mit ihrem Geheimnis gegenseitig. Und ja, die Adventsreise endet ja bekanntlich als Geheimreise der Magier im Kuhstall bei Josef und Maria, die sich alle wunderbaren Sätze "in ihrem Herzen bewahrte". Jeder Sonntag im Advent hat so eine geheimnisvolle Geschichte.
Gute und liebevolle Geheimnisse führen uns durch dunkelste Zeiten. Machen sie ein geheimes Eckchen oder Kämmerchen in ihrem Schrank und im Herzen frei dafür. Und fangen sie mit einem kleinen unbedeutenden Mini-Geheimnis an, das ihnen wie die Haselnuss im Aschenbrödel auf dem Weg an den Kopf stößt. Es könnte auch darin ein herrliches Geheimnis verborgen sein.
Dr. Dorothea Sitzler-Osing ist Pfarrerin des Pfarrsprengels Lütte-Ragösen, promovierte Religionswissenschaftlerin und Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werkes im Landkreis Potsdam-Mittelmark.