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Das Märchen von der Auferstehung Jesu.

01.04.2026

Nicht selten begegnet mir als Pfarrer in Brandenburg die nicht nett gemeinte Aussage, die Bibel sei ein Märchenbuch. Wissenschaftlich gesehen ist das nicht haltbar. Die Bibel enthält zwar einige wenige Texte, die von den literarkritischen Standards her als Märchen betrachtet werden können. Die biblischen Berichte von der Auferstehung Jesu aber gehören nicht in diese Kategorie. Werfen wir einen Blick darauf, ob die Sache mit der Auferstehung wirklich ein Märchen ist oder doch viel wahrscheinlicher, als man denkt.

Ein historischer Fakt ist, dass es einen Menschen mit dem Namen Jesus aus Nazareth gegeben haben muss, der um das Jahr 33 n. Chr. unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus durch Kreuzigung hingerichtet wurde. Davon berichten auch außerbiblische Quellen, z. B. der römische Historiker Tacitus. Diese Personen hatten kein Interesse daran, religiöse Märchen zu verbreiten. Wir wissen auch, dass Jesus von Nazareth, den die Christen Jesus Christus, also „Messias Jesus“, nennen, nicht der einzige Mensch war, der im ersten Jahrhundert als Messiasanwärter galt. Die sich um Messiasanwärter bildenden Bewegungen verliefen immer auf die gleiche Weise: Eine charismatische Persönlichkeit tritt auf und sammelt schnell Anhänger. Die Bewegung wächst zu einer militärischen Bedrohung heran. Dies bringt die römischen Behörden dazu, den Messiasanwärter zu verfolgen und hinrichten zu lassen. Danach verliert die Bewegung mit dem Tod der Zentralfigur zügig an Schwungkraft. Die Anhänger zerstreuen sich, da der Tod des Messiasanwärters aus jüdischer Perspektive im ersten Jahrhundert bedeutete, dass dieser nicht der Messias gewesen sein kann. Jesu Auftreten verläuft parallel dazu: Er tritt aus dem Nichts auf, sammelt schnell Anhänger im vierstelligen Bereich und wird aus Angst vor einem Volksaufstand hingerichtet. Seine Jünger verraten ihn, und die Bewegung bricht zusammen. Infolge dessen aber muss etwas Einzigartiges passiert sein, das alles veränderte. Nur einige Frauen aus dem engsten Kreis der Anhänger Jesu bleiben treu und kümmern sich um den sterbenden und toten Jesus.

Dazu muss man wissen, dass Frauen in der Antike nicht als verlässliche Zeugen galten. Die junge Kirche also berief sich bei einem so zentralen Ereignis wie der Auferstehung von den Toten auf Berichte von – nach damaligem Verständnis – minderwertigen Zeugen. Hätte man religiöse Propaganda verbreiten wollen, hätte man diese Stelle in den biblischen Berichten verändert! Dieses Ereignis, das nach Jesu Tod passiert sein muss, führte dazu, dass die zusammengebrochene Jesusbewegung wieder zusammenfindet. Plötzlich beginnen die Anhänger – entgegen aller Tradition – öffentlich zu verkünden, dieser tote Jesus sei doch der Messias gewesen. Wir wissen, dass diese Behauptung zur brutalen Verfolgung der Jüngerinnen und Jünger sowie der weiteren Anhänger Jesu führte. Keiner der ersten Zeugen ist eines natürlichen Todes gestorben. Wer nicht getötet wurde, wurde zumindest verspottet. Die Anhänger Jesu wurden wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen, selbst gekreuzigt oder lebendig angezündet, wie uns Tacitus berichtet. Niemand, erst recht nicht so viele Menschen zugleich, nimmt dieses existenzielle Leiden für eine selbsterfundene Lüge auf sich. Während vergleichbare Messiasbewegungen im Sande verliefen, wächst die Christusbewegung nach dem Tode Jesu noch rasanter als zuvor und verbreitet sich in andere Länder und Kontinente. Wie Sie sehen: Manche Dinge sind wahrscheinlicher, als man denkt!

Der Artikel erschien in der Reihe "Blickpunkt Kirche" der MAZ am Samtag vor Ostern 2026

Zur Person
Pfarrer David Frank
Lutherischer Pfarrer im Kirchenkreis Havelland
Verantwortlich für die Gemeinde Bötzow und Ländchen Glien