Unsere Gemeinde hat einen langen Atem. Viele von uns sind Menschen, die schon zu DDR-Zeit Christen waren, und das hieß eben, dass sie vielleicht nicht zur Oberschule durften, nicht studieren, dass sie in der Berufswahl und auch in Karrieremöglichkeiten dann im Berufsleben ausgebremst wurden, weil sie zum Beispiel aus ihrem christlichen Glauben heraus nicht in die Partei eintreten wollten. Heute sehen diese alten Menschen dankbar, dass ihre Enkeln heute frei sind in ihren Entscheidungen. Zugleich fehlt manchen von ihnen die Verbundenheit der Gemeinde, die ihnen damals Halt gegeben hat und die sich heute unverbindlicher und individueller zeigt.
Nichtsdestoweniger kommen junge Erwachsene in unsere Gemeinde, die nicht mit dem christlichen Glauben aufgewachsen sind. Sie kennen vielleicht die alten Lieder nicht. Erst als Heranwachsende oder Erwachsene erlebten sie eine Erfahrung, die sie mit dem Glauben in Verbindung gebracht und so zu uns geführt hat. Außerdem kommen Zugezogene aus Bundesländern, in denen ein fröhliches selbstverständliches Aufwachsen in einer Kirchengemeinde ganz normal war und die ihre Kinder nun auch christlich aufwachsen lassen möchten und sich dafür sehr engagieren. Besonders freuen wir zu Anlässen, bei denen Menschen dieser unterschiedlichen Herkünfte zusammenkommen. Da gibt es viel zu erzählen!
Unseren Organisten unten in der Kirche spielen sehen und dann kommt der Klang von oben, von allen Seiten!
Einzigartig ist unsere Tokatha-Orgel! Es ist gelungen, die vier Orgeln der Kirche miteinander zu verbinden und von einem ganz neuen Spieltisch aus zu spielen. Dieser Spieltisch steht unten in der Kirche. Unser Organist sitzt also unten, wir können ihn sehen, und der Klang kommt dann von oben von allen Seiten. Das ist wie Stereo doppelt – großartig! „Tokatha“ ist ein Wort, das extra dafür erfunden wurde – es kommt von dem klassischen Orgelstück „Toccata“, das heißt berühren, und dem Namen Katharina, nach der unsere Kirche ja benannt ist. Menschen kommen von weit her, um die Tokatha zu hören – zum Beispiel im Sommer immer mittags um 12 Uhr. Da erklingt dann manchmal auch „Sag mir, wo die Blumen sind…“
Einzigartig in unserer Kirche ist eine Statue des Apostels Paulus unter der Kanzel. Er trug einst ein Schwert. Das ist sein Zeichen, weil er als Märtyrer für seinen Glauben mit einem Schwert getötet wurde. Dieses Schwert ist im Laufe der langen Jahre so verrottet bis jemand den Griff mit einem Band an Paulus‘ Hand befestigte. Nun hängt es lose herab, als wisse dieser Mann nicht mehr, was man mit einem Schwert tut. Es ist von ganz alleine zu einem Friedenszeichen geworden.
Einzigartig ist der Hochaltar aus dem Jahr 1474, den wir mit wichtigen Förderern und viel Engagement gerade sehr aufwändig restaurieren konnten. Er erzählt aus dem Leben der heiligen Katharina, der Heiligen Amalberga und die Geschichte von Jesus Christus – und das auf riesigen Bildflügeln, die man nun nach vielen Jahrzehnten wieder bewegen kann: Es gibt eine Alltags-, eine Sonntags- und eine Festtagsseite. Beide, Katharina und Amalberga, haben mit ihrem Glauben je einem Herrscher widerstanden. Uns gefällt besonders, wie das dargestellt ist: Beide stehen golden und aufrecht. Unter ihren Füßen sieht man die überwundenen Herrscher; doch eben anders: Die Herrscher haben die Frauen blutig und grausam getötet. Doch als Heilige leben sie – die Frauen haben die Macht überwunden, ohne Mord und Totschlag. Die Könige sind besiegt, aber sie leben.
Hoffentlich nicht einzigartig, aber ganz wichtig ist, dass wir einen festen Kreis von vielen Ehrenamtlichen haben, die Tag für Tag stundenlang unsere Kirche offenhalten. Es kommen Touristinnen und Touristen, Menschen vom Markt, Vorübergehende, die am Hedwigsaltar eine Kerze anzünden für ein stilles Gebet. Donnerstags um 13 Uhr kann man auf den Turm steigen. Da trifft man Tauben, Falken und hat einen großartigen Blick über die Dächer und Gewässer Brandenburgs.
Zur Katharinenkirchengemeinde gehören die Dorfkirchen Göttin, Schmerzke, Gollwitz, Wust und Wilhelmsdorf. Das sind alles wunderschöne alte Dorfkirchen, die auf Wunsch besichtigt werden können, in denen wir gelegentlich Gottesdienst feiern, zum Adventssingen oder einem Sommerkonzert laden. Alle sind auch Orte für Trauerfeiern auf den benachbarten Friedhöfen, zu denen dann das ganze Dorf in der Kirche zusammenkommt.
Die Kirche in Gollwitz liegt direkt am Havel–Rad-Wanderweg, der von Brandenburg an der Havel entlang über Werder in Richtung Potsdam führt.
Leider mussten wir die Jakobskapelle als Gemeindestandort aufgeben. Sie gehört nun zur Wredow‘schen Zeichenschule. Sie war einst, seit 1320, ein bedeutender spiritueller Ort – Segen im Vorübergehen für Pilger und Händler, die im dazugehörigen Jakobsspital Hilfe fanden. Im Jahr 1892 sollte die Brücke neben der kleinen Kapelle verbreitert werden, sie war im Weg – und wurde in einer einzigartigen Aktion angehoben, auf mit Seife eingeschmierte Baumstämme gehievt und elf Meter verschoben. Dort steht sie noch heute – und heißt seitdem „Verrückte Kapelle“. Ihr Altarbild an der Außenwand grüßt noch heute Vorübergehende
Der Brandenburger Bläserchor bereichert mit Konzerten und liturgischem Spiel im Gottesdienst unser kirchenmusikalisches Leben. Bläserinnen und Bläser sind herzlich willkommen.
Evangelische Kirchengemeinde St. Katharinen Brandenburg
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